Freitag, 20. September 2013

Das Wahl-Geschäft (eine Parabel noch kurz vor der Bundestagswahl)

Als ich dieser Tage über den großen Marktplatz unserer Stadt spazierte, kam ich an einem sehr großen Geschäft vorbei. Darin boten verschiedene VerkäuferInnen ihr Ware dar. Priesen sie an und versprachen, dass, wenn ich mich für ihre Ware entscheiden und diese wählen würde, mein Dasein künftig viel angenehmer, mein Wohlstand und Glück gesichert sei.
 

Die Geschäftsführerin stand ein wenig erhöht auf einem Podest, die Hände zu einer Raute gefaltet und beobachtete das rege Treiben in ihrem Geschäft.

An der Kasse saß ein Mann im Rollstuhl und erklärte den Kunden die Art, Weise und Funktion des Zahlungsverkehrs in diesem Geschäft.

Im südlichen Teil des Geschäfts residierte ein Lagerleiter unter einem weiß-blauen Baldachin.
 

Während ich dieses Treiben so beobachtete, sah ich wie der ein oder andere Kunde zielsicher auf eine der dargebotenen Waren zusteuerte und sich die, ihn persönlich ansprechende auswählte.
 

Dies ging eine ganze Weile so und jede Menge Menschen (allerdings nicht die Mehrheit dieser Stadt, dieses Landes) wählten sich die, ihrem Wesen entsprechende und scheinbar glücklich machende Ware aus. Es war ein buntes Treiben und die Stoffe hatten auch die verschiedensten aufdringlich wirkenden Farben und beinhalteten auch die verschiedensten Luststoffe.
 

Sorgfältig betrachtete ich die ausgelegte Ware, versuchte zu vergleichen, um evtl. auch eine davon zu wählen.
 

Während dieser meiner Betrachtung sah ich, wie die ersten Kunden an die Kasse strömten. Ihre ausgewählte Ware offengelegt wurde und die Rechnungen präsentiert wurden. Sie mussten mit ihrer Unterschrift und einem Kreuz die zuvor versprochenen und vorgelegten Vertragsbedingungen quittieren und bestätigen. Diese Verträge enthielten wie üblich auch das Kleingedruckte! Viele der Kunden hatten aber wohl genau dieses übersehen, überlesen und überhört.
 

Denn plötzlich kam es in diesem Geschäft zu diversen Streitigkeiten, Auseinandersetzungen und gegenseitigen Vorwürfen.
 

Der Grund hierfür war, dass die Kunden gar nicht die Ware erhielten, welche sie sich eigentlich ausgewählt hatten. Und genau dies stand in dem Kleingedruckten! Es stand nicht nur da, sondern es wurde über die Lautsprecheranlagen des Geschäfts auch deutlich vernehmbar verkündet.
 

Da sagte die Geschäftsführerin: [[ „Man kann sich nicht darauf verlassen, dass das, was vor den Wahlen gesagt wurde, auch wirklich nach den Wahlen gilt! Und wir müssen damit rechnen, dass das in verschiedenen Weisen sich wiederholen kann!“ ]]

Der Kassierer sagte, ebenfalls über die Lautsprecheranlage deutlich vernehmbar: [[ „Die Souveränität sei in Europa längst ad absurdum geführt worden”, “… und wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen.“ ]] 
 http://www.youtube.com/watch?v=YWfy63W


Und auch der Lagerleiter unter seinem weiß-blauen Baldachin hatte laut und vernehmlich die Vertragsbedingungen über die Lautsprecheranlage verkündet: [[ „Diejenigen die entscheiden sind nicht gewählt und diejenigen die gewählt werden haben NICHTS zu entscheiden!“ ]]
Da entschloss ich mich, dieses Geschäft, in welchem ganz offensichtlich der Betrug in entsprechenden Geschäftsbedingungen niedergeschrieben und auch öffentlich bekannt gemacht wurde, unverrichteter Dinge wieder zu verlassen.

Man hatte in diesem Geschäft angeblich die Wahl. Konnte sich angeblich also aussuchen, wählen und entscheiden, was für die eigene, aber auch des Geschäfts Zukunft ausschlaggebend sei.
Als es aber zur Kasse und zur Begleichung der Rechnung ging, stellte sich eben heraus, dass nicht der Kunde mit seiner Wahl seiner Ware entschied. Sondern dass es die Geschäftsbedingungen, die Geschäftsinhaberin, der Kassierer und der Lagerleiter waren, welche entschieden, welche Ware der Kunde – auch wenn er schon bezahlt hatte - am Ende tatsächlich erhalten sollte.

Auf meinem Weg nach draußen kam mir der Gedanke: was würden die Menschen, welchen dies, was hier ablief bewusst würde sagen und machen, wenn sie in ein Geschäft gingen, sich dort ein paar passende Schuhe aussuchten, den entsprechend hohen Preis im voraus dafür bezahlten und an der Kasse dann erführen, dass sie für ihr Geld nun aber nur einen kleinen Knäuel Wolle bekämen, um sich selbst eine einzelne Socke zu stricken?!

Aber wie gesagt. Dies wurde laut und deutlich über die Lautsprecheranlage des Geschäftes schon lange und immer wieder verkündet. Man musste einfach nur ein wenig genauer hinhören.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Robert Kroiß,

eigentlich müsste jeder Wähler/in ihre Parabel ausgehändigt bekommen, leider eine Illusion.
Sie beschreibt die tatsächlichen Zustände zu einer Wahl, die ich immer wieder, solange sie so durchgeführt wird, als Wahlzirkus bezeichne.

Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang auf einen Beitrag von mir bei Gerd 49 hinzuweisen.
Es ist eine Antwort von mir auf einen beachtenswerten Beitrag von Gerd49, der sich auch mit der Wahl auseinandersetzt und da auf die Zensur im Anne Will Forum zur Sendung vom 18.09 2013 hinweist.
Ich habe da auch zensierte Beiträge von mir zur Sendung gepostet.
Außerdem habe ich einen nicht veröffentlichten Beitrag von mir zum Thema Wahl an Heiner Klein alias Löwenmaul auf der HP bei Wanda Müller gepostet.
Im Beitrag habe ich auch ihren Namen erwähnt, da ich glaube, dass Heiner Klein ihren Namen und ihre Beiträge für sich instrumentalisieren wollte.
Ich hoffe auf ihr Verständnis, dass ich ihren Namen erwähnt habe.

Mit freundlichen Grüßen

Ralf Nietzschmann