Freitag, 17. März 2017

Nochmals "Jens Spahn"

Nachdem mir Herr Spahn nun auch noch per Mail geantwortet hat, will ich auch diese, als auch meine daraufhin neuerliche Antwort zu dem Post:
http://robert-diegrossenreligionen.blogspot.de/2017/03/jens-spahn-cdu-gestern-bei-maybrit.html

veröffentlichen.
Sehr geehrter Herr Kroiß,

Ihre E-Mail enthält viele einzelne Aspekte, die es wert sind, darüber nachzudenken. Ganz konkret will ich zwei inhaltliche Anmerkungen machen:

1. Bei Ihrer Umschreibung mit der Kuchenmetapher fehlt eine klare Unterscheidung zwischen Allokation und Distribution. Und trotz Steuern, tragen Hartz IV- Empfänger im Endeffekt ein Negativsaldo zum Gesamtkuchen bei. Sie partizipieren nur an der Distribution, erwirtschaften aber keinen Mehrwert.
2. Ihre Auslegung der Gerechtigkeit ist eine Variante dessen. Doch gibt es dazu seit der Antik unterschiedliche Positionen. Bereits bei Aristoteles geht es darum, dass diejenige Distribution gerecht ist bei der es heißt: Ich bekomme so viel, wie ich leiste. Von der eigenen Leistung hängt es also ab, wie sehr ich am Kuchen partizipiere. Natürlich ist eine Umverteilung immer noch möglich, doch ist diese dann überhaupt jemals "gerecht"?

Ich hoffe ich konnte Sie weiterhin dazu anregen, sich so ausgiebig mit dem Thema zu beschäftigen. Vielleicht kann ich Sie bei meinem nächsten Auftritt mit meiner Argumentation überzeugen.

Beste Grüße
Jens Spahn


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Jens Spahn MdBParlamentarischer Staatssekretär
beim Bundesminister der Finanzen

Platz der Republik 1
11011 Berlin
Telefon:    030 227-79309
Telefax:    030 227-76814

E-Mail:      jens.spahn@bundestag.de
Internet:    www.jens-spahn.de   

Informiert bleiben:
Auf Facebook oder bei spahnaktuell.

Mein heutige Antwort darauf:
Sehr geehrter Herr Spahn,

zunächst danke ich Ihnen für Ihre neuerliche Antwort. Die Kuchenmetapher habe ich nur weiter verwendet, nachdem Sie diese ja mit dem größer gewordenen Kuchen selbst in der Maybrit Illner Sendung ins Spiel brachten.

Gerne will ich mich aber mit Ihrer Antwort bzgl. Allokation, Distribution, Leistung und „gerecht“ befassen.
Da stellt sich doch dann schon mal die Frage, was ist Leistung? Wer bewertet diese und nach welchen Kriterien? Erfolgt tatsächlich eine „gerechte“ Honorierung diverser Leistungen in dieser Gesellschaft? Lässt sich der „Wert“ einer Leistung an Geldsummen ablesen?

Nun aber zu Ihrem Ansatz in Bezug auf Hartz-IV Bezieher, in welchem Sie schreiben, dass selbige einen Negativsaldo zum Gesamtkuchen beitragen und nur an der Distribution partizipieren und selber keinen Mehrwert erwirtschaften.

Anhand eines Beispieles, hätte ich gerne Ihre Aussagen nochmals erklärt. Wo beginnt die Allokation, Distribution, Leistung etc. und die „Gerechtigkeit“?!

Mensch A kommt in dieser Gesellschaft zu Welt. Geht zur Schule, macht Abitur, studiert, wird Mitglied einer Partei, wird Abgeordneter, weil er einer Partei angehört, die über entsprechend Sitze im Parlament verfügt.
Seine „Versorgung“ erfolgt von Anfang an durch alle Steuerzahler!
Was genau ist die erbrachte wirtschaftliche und gesellschaftliche Leistung, der Mehrwert, welchen diese Person A zum Gesamtkuchen, von welchem er ein nicht ganz kleines Stück bekommt, beigetragen hat?!

Mensch B kommt in dieser Gesellschaft zu Welt. Geht zur Schule, macht eine Lehre, übt einen oder auch mehrere Berufe aus. Gründet eine Familie. Er verdient „so gut“, dass er als Alleinverdiener Frau und mehrere Kinder versorgen kann. Im Alter von 50 plus Jahren wird er unverschuldet arbeitslos und danach Hartz-IV-Bezieher.
Seine „Versorgung“ erfolgt ab diesem Zeitpunkt in Form eines kleinen Stück Kuchens durch alle Steuerzahler!
Was genau ist die erbrachte wirtschaftliche und gesellschaftliche Leistung, der Mehrwert, welchen diese Person B zum Gesamtkuchen beigetragen hat?!


„Gerechtigkeit“:

Führungskraft A handelt mit einer Firma einen Vertrag über Millionen aus. Firma erzielt nicht das erwartete Ergebnis. Im Gegenteil. Es werden „Unregelmäßigkeiten“ (evtl. Lüge und Betrug) bekannt. Führungskraft A wird vorzeitig in den „Ruhestand (evtl. deshalb, damit er keinen weiteren Schaden mehr anrichtet?!) entlassen und bekommt die vereinbarten „Millionen“! Kann sich bei Nachfragen auch an „NICHTS“ erinnern und dies als Führungskraft?!
Leistung?! Mehrwert?!

Kassenkraft B hat einen Arbeitsvertrag. Begeht eine „Unregelmäßigkeit“ (evtl. Lüge und Betrug), bekennt sich zu dieser (erinnert sich also) und wird fristlos entlassen! Bekommt dafür dann eine „Bestrafung“!
Leistung?! Mehrwert?!

Diese Beispiele sind zwar sehr verkürzt und zugespitzt dargestellt. Sie sind aber 1 zu 1 in dieser Gesellschaft umzusetzen und nachweislich genauso erfolgt!

Ihre Anführung Aristoteles ist m. E. allerdings auch sehr kurz gedacht und zugespitzt angewandt. Erst recht, wenn man weiß, dass er selbst keine Definition von Gerechtigkeit hatte! „Der Gerechte ist ein Freund der Gleichheit“ meinte er ebenfalls. Genau dies halte ich aber für eine falsche Definition. Gleichheit bedeutet nämlich nicht per se Gerechtigkeit. „Gerechtigkeit erkennt man am gerechten Handeln, also an der Art und Weise, wie jemand ein Problem (dessen Ursache demnach ja Ungerechtigkeit sein muss) löst“!

Ich hatte Ihnen ja bereits geschrieben, dass ich Gerechtigkeit nicht in Gleichmacherei, Gleichheit sehe. Sondern darin, dass das „Recht“ gleichwertig gegenüber jedermann angewandt wird, der Mensch als Mensch den „gleichen Wert“ vor dem Recht (unabhängig seiner Position) hat!

Dies ist ja u. a. bei der „Hartz-IV Gesetzgebung“ so missraten und eben auch ungerecht! Denn da wird angeblich Gerechtigkeit dadurch hergestellt, dass allen „LeistungsempfängerInnen“ der „gleiche materielle Wert“ zugestanden wird! Und zwar selbst bei völlig unterschiedlichen Ausgangslagen, Ursachen! Derjenige, der noch niemals einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen „Mehrwert“ als „Leistung“ erbracht hat, bekommt den „gleichen (Geld)Wert“, als derjenige, der nach Jahren gesellschaftlicher und wirtschaftlicher „Mehrwertschaffung“ zum größer gewordenen Kuchen seinen Teil beigetragen hat?! Also ist in diesem Falle „Gleichheit“ absolut nicht „gerecht“, oder „Gerechtigkeit“ (selbst nach der von Ihnen angeführten Definition nach Aristoteles)!

Von daher halte ich Ihre, als auch die Ihrer KollegInnen Aussagen im Bezug auf den „größer gewordenen Kuchen“ und wer daran welchen Anteil hat für sehr verkürzt dargestellt! Insbesondere auch immer die Aussage „Leistung muss sich lohnen“, ist m. E. nichts als ein politisches Schlagwort. Denn würden diejenigen, die dies äußern tatsächlich ehrlich und gerecht meinen, dann würden sie sich als erstes selbst hinterfragen (müssen)! Nämlich dahingehend, worin sich ihre tatsächlich erbrachte „Leistung“ begründet, welche es rechtfertigt, dass sie sich am „Gesamtkuchen“ mit nicht ganz kleinen Stücken selbst bedienen?! Also selbst erklären und auslegen, wie es mit der Allokation und der Distribution im Bezug auf den größer gewordenen Kuchen verhält.

Auf Ihr Verständnis hoffend, dass mich Ihre Antwort wiederum dazu angeregt hat, dass ich Sie nochmals mit ein paar Gedanken zu diesem Thema belästige, würde ich mich auf eine neuerliche Antwort Ihrerseits freuen und verbleibe mit freundlichem Gruß


Robert Kroiß

Kommentare:

  1. Hallo Robert, hallo Mitlesende,

    ich erspare mir auf Spahn und seine "persönliche Leistung" näher einzugehen, die möge jeder selber nachschlagen und beurteilen. Für mich ist und bleibt Spahn sinnbildlich ein Parasit an der Gesellschaft.
    Alleine seine Ausführungen im Pkt. 1 , sollte zu Denken geben.
    Was hat er denn bisher für die Gesellschaft beigetragen, außer die persönliche Karriereleiter Sprosse vor Sprosse nach oben zu erklimmen, dabei weitgehendst als Speichellecker unterwegs?

    Warum ignoriert er die Leistungen von Hartz IV Beziehern und differenziert nicht?
    Nach den aktuellen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit aus Dezember 2015 (Datenbestand April 2016) liegt der Anteil der Hartz IV Aufstocker bei fast 30 Prozent, was bedeutet, dass fast ein Drittel der Hartz 4 Bezieher einer Erwerbstätigkeit nachgehen.
    Warum hinterfragt ein Spahn das nicht? Kennt er die Ursachen nicht?
    Es führen die Niedriglöhne, beispielsweise aus der Leiharbeit bzw. Zeitarbeit dazu, dass Menschen zusätzlich auf Sozialleistungen angewiesen sind .
    Warum berücksichtigt er die Leistungen von Menschen nicht, die praktisch auf Grund ihres Alters nie wieder einen Arbeitsplatz finden werden, aber jahrelang für die Gesellschaft aktiv im Arbeitsleben eingebunden waren?
    Spahn lehnt ja sogar den Vorschlag von Schulz ab, dass ALG 1 länger zu zahlen. Also ein Vorschlag , der auch nicht die Probleme der betroffenen Menschen löst.
    Ich finde es von dir mutig, überhaupt mit so einem „ Volksvertreter“ zu diskutieren.
    Bei Spahn würde ich die Fassung verlieren, deshalb werde ich mir es auch verkneifen, was ich mir für Spahn wünschen würde, hier öffentlich zu schreiben.
    Indirekt hast du ja genau Spahn mit deiner erneuten Antwort klassifiziert. Nur ein Spahn reagiert darauf nicht, hat er ja als Dauergast in diversen Talk Shows bewiesen.

    Gruß Ralf



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    1. Hallo Ralf,

      fairerweise muss ich sagen, dass mir Jens Spahn bisher immer auf meine Schreiben, egal ob per Mail, oder als PN auf Facebook geantwortet hat. Von daher warte ich einfach mal wieder ab, wie er auf meine letzte Antwort reagiert.

      Gruß Robert

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  2. Werter Herr Kroiß und Mitlesende,

    Egal ob Spahn, Nahles oder nun Schulz, der neue Heilsbringer der SPD, es sind alle nur Populisten, passend auch zur heutigen Sendung bei Will. Ich habe dort auf Seite 25 auch kommentiert.
    Gerade der Wahlausgang in den Niederlanden und die Interpretation durch unsere Politiker mit Unterstützung der Systemmedien, ist doch nur noch systematische Volksverblödung.
    Leider erkennen das aber viele unserer Mitbürger nicht.
    Zurück zu Spahn. Ich habe gerade von Spahn noch nie etwas vernünftiges gerade im Bereich Sozialpolitik gehört, sei es Bürgerversicherung, sowohl in der Gesundheitsvorsorge, aber auch bei der Altersvorsorge.
    Wie erklärt sich zum Beispiel Spahn die Tatsache, dass es im Januar 2017 nach vorläufiger Hochrechnung 5.133.000 erwerbsfähige Leistungsempfänger von Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld II gab.In der genannten Zahl ist immer noch nicht die gesamte Arbeitslosigkeit abgebildet. Es fehlen nämlich Personen die mit 63 Jahren zwangsverrentet werden und Personen die sich nicht arbeitslos melden, weil sie ein zu hohes Vermögen haben, oder der Lebenspartner ein zu hohes Einkommen/Vermögen hat, um leistungsberechtigt zu sein.Genau diese betroffenen Menschen beleidigt Spahn in der Antwort an sie.
    Nein Spahn plaudert immer wieder nur den Standpunkt der Lobbys nach, Deutschland hat ein Demographie Problem, die Rente mit 67 ist gerechtfertigt und sollte nach oben hin erweitert werden.
    Rentenniveau ist in Ordnung, jeder kann ja riestern. Deutschland hat Facharbeitermangel und das bei der o.g. Zahl der Arbeitslosen. Nein und nochmal nein, Spahn gehört in die Wüste geschickt, genau wie die anderen Marionetten der Lobbyisten.

    Kurt

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