Donnerstag, 1. Mai 2014

Kinderaugen (aus meinem Buch "Spiegelungen")


Kinderaugen



Fahles Mondlicht bahnte sich den Weg zwischen ein paar Lücken durch den Wolken verhangenen Himmel und warf seinen Lichtschein in das kleine Zimmer.


Darin saß, in der Mitte des Fußbodens ein kleines Mädchen. Umgeben von vielerlei Kinderspielzeug.


Inmitten vieler Barbiepuppen, lagen verstreut auf dem Boden auch noch verschiedenfarbige Pferdchen und Stofftiere umher.


Das Mädchen spielte und redete mit all ihren Puppen und Pferdchen, so als ob ihm diese zuhörten und auch antworteten.


Selbst als die Mutter in das Zimmer trat, schaute das kleine Mädchen nicht hoch und lies sich in seinem Spielen nicht beirren. Es setzte seine Unterhaltung fort.


Die Mutter beobachtete das Spiel ihres Kindes, verhielt sich dabei äußerst still, um das Mädchen in dessen Tun nicht zu stören, sondern nur zu beobachten.


Erst als das Kind mit Etwas im Raume sprach, was weder eine Puppe, noch ein Pferdchen seiner Spielzeugsammlung war, sondern einfach nur in der Luft zu sein schien, da wandte sich die Mutter an ihr kleines Mädchen mit der Frage: „mit wem sprichst Du denn da so liebevoll?“


Das Kind antwortete: „mit Feen, Elfen und Engeln.“


Aber ich sehe keine Feen, Elfen oder Engel“ erwiderte die Mutter.


Du kannst sie ja auch nicht sehen“, meinte daraufhin das kleine Mädchen. „Du hast sie längst wieder aus den Augen verloren.“


Die Mutter erinnerte sich an ihre Kinderzeit. Und es war ihr, als säße da vor ihr nicht ihr Kind, sondern sie selbst.


Ja, auch sie hatte mit Puppen und Stofftieren gespielt. Ja und auch sie hatte mit Feen, Elfen und Engeln gesprochen.


Bis man sie zum Psychiater brachte und ihren Eltern erklärte, dass sie krank sei.


Inzwischen war sie erwachsen, selbst Mutter eines kleinen Mädchens, welches mit Feen, Elfen und Engeln sprach.


Sie fragte ihre kleine Tochter, was sie denn mit den Luftwesen zu besprechen habe.


Wir reden über dies und das, sie sagen mir, dass es Opa gut geht und dass ich auch selber mit ihm sprechen könne.“


Opa war vor einigen Jahren gestorben. Aber für das kleine Mädchen war er nicht tot und damit immer noch erreichbar.

Was willst Du denn von Opa wissen?“ fragte die Mutter.


Ach, ich habe ihn nur gebeten, dass er auf uns aufpassen möge, wenn wir morgen mit dem Auto unsere Reise antreten und unterwegs sind“.


Und“, fragte die Mutter?


Er hat mir versprochen, dass er auf uns aufpassen würde“, erwiderte äußerst selbstsicher das Töchterlein.


Die Mutter ging aus dem Zimmer, dachte bei sich, was soll ich davon halten? War nun auch meine Tochter krank, ja gar verrückt, wie Erzieher, andere Eltern und Psychiater ein derartiges Verhalten zu bezeichnen pflegten?


Nein, ich selbst hatte mich als kleines Kind ebenso verhalten, wenn davon auch kaum noch etwas in meiner Erinnerung hängen geblieben war. Auch wenn man mich zum Psychiater brachte. Heute weiß ich, dass ich weder krank, noch verrückt war. Sondern, dass Kinder mit anderen Augen sehen und sich ihren Glauben solange bewahren, bis man sie „erzieht.“ Ich glaube meinem Kinde, so wie man mir nicht geglaubt hatte. Und auch wenn mit der Erziehung all diese schönen Dinge und Erlebnisse verloren gingen und verblasst waren, so wollte ich meinem Kind diese Erlebnisse und Erfahrungen zumindest für diesen Moment belassen. Vielleicht konnte ich selber damit wieder ein wenig Teil haben daran.

Einige Tage später, man war von der angesprochenen Reise glücklich und unversehrt zurück gekehrt, fiel der Mutter wieder ein, dass ihre Tochter ja Opa gebeten hatte, dass er auf dieser Reise auf sie alle aufpassen möge.


Sie ging in das Kinderzimmer zu ihrem kleinen Mädchen, welches sich wieder mit seinen Spielsachen beschäftigte und fragte dieses: „hast Du Dich denn auch bei Opa dafür bedankt, dass er so gut auf uns aufgepasst hat?“ Sie nahm ihr Kind und das, was es sagte sehr ernst.


Fast etwas entrüstet schaute die Tochter ihre Mutter an und meinte: „wofür und weshalb sollte ich mich bedanken? Er hat es mir doch versprochen und also nur gehalten, was er mir und sich selbst versprochen hat.“


Da stellte die Mutter fest, dass ihr kleines Kind sehr viel gesünder war, als sie es jemals zuvor gewesen sein konnte, weil man sie nicht glauben lies.


Und sie wünschte sich, wieder mit den Augen eines Kindes, welches geliebt und nicht in ärztliche Obhut und Hände von Psychiatern gegeben wird, sehen zu können.


1 Kommentar:

Unknown hat gesagt…

Sehr wahr mein Lieber Robert