Montag, 15. Juli 2013

Nach einem Märchen der Gebrüder Grimm frei erzählt:

Rumpelstilzchen“

Es war einmal ein Herrscher, der war inzwischen Amts müde, aber er hatte „sein Mädchen“. Nun traf es sich, dass er mit dem Volke zu sprechen kam, und um sich ein Ansehen zu geben, sagte er zu diesem: "Ich habe hier mein Mädchen, die kann Stroh zu Gold spinnen." Das Volk sprach zum müden Herrscher: "Das ist eine Kunst, die uns wohl gefällt, wenn dein Mädchen so geschickt ist, wie du sagst, so bring sie morgen in Amt und Würden, und wir werden sie auf die Probe stellen."

Als nun das Mädchen an seinen Platz gebracht ward, welcher ganz voll unerledigter Dinge war, gab man ihr Zepter und GG und sprach: "Jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du die nächsten Jahre diese Dinge nicht zu Gold versponnen hast, so wirst du wieder abgewählt." Da saß nun dieses arme Mädchen und wusste um ihr Leben keinen Rat: sie verstand zwar gar nichts davon, wie man Stroh zu Gold spinnen konnte, wie sie die Aufgaben erledigen sollte, aber ihr Ansehen ward immer größer geworden. Da gingen auf einmal die Türen auf, und ein Lobbyist nach dem anderen trat herein und sprach: "Guten Abend, Kohl´s Mädchen, worüber sinniert ihr so angestrengt?

"Ach," antwortete das Mädchen, "ich soll Stroh zu Gold spinnen und verstehe das nicht, habe von nichts eine Ahnung." Sprach das Lobbyistenmännchen: "Was gibst du mir, wenn ich dir`s spinne?" "Mein Halsband," sagte das Mädchen. Das Lobbyistenmännchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war die Spule voll. Dann steckte es eine andere auf, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war auch die zweite voll: und so ging´s fort in all den Jahren, da war alles Stroh versponnen, und alle Spulen waren voll Gold.

Zur nächsten Wahl kam das Volk, und als es das Gold erblickte, erstaunte es und freute sich, aber es ward nur noch gieriger geworden. Es wählte Kohl´s Mädchen abermals zur ersten Spinnerin des Landes, damit sie weiterhin und immer mehr von dem Stroh in Gold spinne. Das Mädchen wusste sich zwar immer noch nicht zu helfen, hatte es doch nach wie vor keine Ahnung, wenn man sie nach der Ursache von Problemen fragte, aber da ging abermals die Türe auf, und das kleine Lobbyistenmännchen erschien und sprach: "Was gibst du mir, wenn ich dir zu Lösungen verhelfe, das Stroh zu Gold spinne?"

"Meinen Ring von dem Finger," antwortete das Mädchen. Das Lobbyistenmännchen nahm den Ring, fing wieder an zu schnurren mit dem Rade und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glänzendem Gold gesponnen. Das Volk freute sich über die Maßen bei diesem Anblick, war aber noch immer nicht dieses Erfolges satt, sondern ließ Kohl´s Mädchen weiterhin im Stillen und Geheimen machen. "Wenn's auch nur Kohl´s Mädchen ist," dachte sich das Volk, "eine bessere und wichtigere Frau findet sich in der ganzen Welt nicht." Als Kohl´s Mädchen wieder mal allein war, kam das Lobbyistenmännlein zum dritten mal wieder und sprach: "Was gibst du mir, wenn ich dir auch diesmal das Stroh spinne?" - "Ich habe nichts mehr, das ich geben könnte," antwortete Kohl´s Mädchen. "So versprich mir, wenn du Königin wirst und bleibst, all die Daten deines Volkes.“ "Wer weiß, wie das noch weiter geht," dachte Kohl´s Mädchen und wusste sich auch in der Not nicht anders zu helfen; sie versprach also dem Lobbyistnmännchen, was es verlangte, und das Lobbyistgenmännchen spann dafür noch einmal das Stroh zu Gold.

Und als ein Bote kam und alles vorfand, wie es gedacht war, machte er dies öffentlich und aller Welt bekannt.

Über die Jahre dachte Kohl´s Mädchen gar nicht mehr an die Lobbyistenmännchen: da traten diese plötzlich in ihre Kammer und sprachen: "Nun gib uns, was du versprochen hast." Die Königin erschrak und bot den Lobbyistenmännchen alle Reichtümer des Königreichs an, wenn diese ihr nur die Macht über das Volk lassen wollten: aber die Männchen sprachen: "Nein, deine Macht und der Völker Eigentum ist uns lieber als alle Schätze deines Landes." Da fing die Königin so an zu jammern und zu weinen, dass die Männchen Mitleid mit ihr hatten: "Drei Tage wollen wir dir Zeit lassen," sprachen sie, "wenn du bis dahin unser Geheimnis weißt, so sollst du deine Macht behalten."

Nun besann sich die Königin die ganze Nacht über auf alle Namen, Mitglieder ihrer Regierung, gesammelte Daten von denen sie jemals gehört hatte, und schickte einen Boten über Land, der sollte sich erkundigen weit und breit, was es sonst noch für Geheimnisse gäbe. Als am andern Tag das Medienmännchen kam, fing sie an mit Kaspar, Melchior, Balthasar, und sagte alle Namen, die sie wusste, nach der Reihe her, aber bei jedem sprach das Medienmännlein: "So heißt das nicht." Den zweiten Tag ließ sie in der Nachbarschaft herum fragen, wie die Leute da genannt würden, und sagte dem Medienmännlein die ungewöhnlichsten und seltsamsten Namen vor "Heißt es vielleicht Rippenbiest oder Hammelswade oder Schnürbein?" Aber es antwortete immer: "So heißt es nicht."

Den dritten Tag kam ihr Innenminister wieder von seiner großen Reise über´s Meer zurück und erzählte: "Neue Namen habe ich keinen einzigen finden können, aber wie ich an einen hohen Berg um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich da ein großes Haus,und in dem Haus brannten viele Lichter, und es prangte ein großes Schild, auf welchem geschrieben stand: NSA. Und dort erfuhr ich, dass ich schon genug von Nichts weiß.

Da könnt ihr Euch denken, wie die Königin froh war, als sie dieses hörte, und als bald hernach das Medienmännlein hereintrat und fragte: "Nun, Frau Königin, wie heißt nun das Geheimnis?“ fragte sie erst: "Heißt es Kunz?" - "Nein." - "Heißt es Heinz?" - "Nein." - "Heißt es etwa Rumpelstilzchen?"

Ach wie gut, dass Niemand weiß,
was man uns verzählt für einen Scheiß


    *© Robert Kroiß
    * frei nach dem Märchen „Rumpelstilzchen“ der Gebrüder Grimm

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