Freitag, 10. März 2017

Jens Spahn (CDU) gestern bei Maybrit Illner

Zur gestrigen Aussage Jens Spahn`s (CDU) bzgl. des "größeren Kuchens" habe ich diesem gerade eine Mail, als auch eine Nachricht auf Facebook zukommen lassen:

Sehr geehrter Herr Spahn,

zu der von Ihnen in der gestrigen Maybrit Illner Sendung geäußerten Aussage „ der Kuchen ist aber größer geworden“, würde ich gerne noch ein paar Anmerkungen machen. In der Hoffnung, da es sich dabei auch um offene Fragen bzgl. Ihres Beispiels handelt, dass Sie mir diese Anmerkungen evtl. auch noch mit Ihren Erkenntnissen beantworten.

Man hört inzwischen unentwegt, dass es „uns, den Menschen in diesem Lande“ noch nie so gut ging, wie derzeit. Dass also der Kuchen für alle Menschen so groß geworden ist, wie Sie selbst anmerken, wie niemals zuvor.
Worüber man aber weder von Ihnen, als auch allen anderen, die größere Kuchenform Erkennenden etwas hört betrifft die Ver- und Zuteilung der einzelnen Kuchenstücke. Sowohl vor dem Mehrwert, als auch nun, nachdem der Kuchen größer geworden ist.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Es geht mir nicht im geringsten darum, dass – wie manche glauben – es bei der Zu- und Verteilung um gleichgroße Kuchenstücke ginge. Es haben auch nicht alle Menschen einen gleichgroßen Magen und dementsprechend auch einen unterschiedlichen Sättigungsgrad. Nein, Gerechtigkeit lässt sich weder in materiellen, noch in Geldwerten erzeugen und herstellen. Gerechtigkeit bedeutet nicht Gleichmacherei. Sondern Gleichbehandlung! Es müssen alle satt werden, darum geht es. Also menschlich gleichbehandelt werden.

Wenn also alle Menschen dieses Landes an dem Kuchen zur Versorgung beitragen, dann ist es nur mehr als gerecht, dass auch alle Menschen von diesem Kuchen gespeist werden. Denn selbst „Hartz-IV Bezieher“ backen an diesem Kuchen mit. Durch ihren Konsum, die Miete, den Strom etc.!

Gehen wir also mal davon aus, dass alle Menschen in diesem Lande ihren Beitrag dazu leisten, dass erfolgreich ein immer größer werdender Kuchen erfolgreich gebacken wird, dann müssen „wir“ uns aber auch mit der Zu- und Verteilung der proportionalen Kuchenstücke, auch bei dem nun geschaffenen Mehrwert befassen.

Jetzt ist und war es immer schon so, dass die einen kleinere Stücke bekamen, andere etwas größere und wieder andere die größten.

Was aber in den letzten Jahren ganz offensichtlich wurde ist, dass der erfolgreich und zusätzlich gebackene Mehrwert dieses nun größer gewordenen Kuchens sich aber nicht proportional gerecht bei der Zu- und Verteilung der einzelnen Kuchenstücke niederschlägt. Im Gegenteil!
Die vorher schon relativ kleineren Kuchenstücke wurden und werden von Jahr zu Jahr kleiner. Die ganz großen Kuchenstücke jedoch immer größer. Sodass der, von allen gebackene Mehrwert eben nicht bei allen ankommt! Und dies ist nicht nur die vom Volk „gefühlte“ Ungerechtigkeit, sondern es ist eine reale!

So gehören u. a. auch Sie der „Klasse“ an, deren Aufgabe das Zu- und Verteilen von Kuchenstücken ist. Sie und Ihre Klasse haben sich dabei selbst stets berücksichtigt und immer am gestiegenen Mehrwert – per für sich selbst geschaffener „Regeln und Gesetze“ - partizipiert! Ganz egal, wie hoch Ihr und Ihrer Klasse tatsächlicher eigener Anteil am backen und herstellen des Kuchens war und ist! Dasselbe gilt für diejenigen, welche den „Backofen“ zur Verfügung stellen (konnten)! Jetzt backt aber ein „Backofen“ nicht von sich aus auch den Kuchen. Er ist notwendiges Mittel und es bedarf all der Zutaten und „BäckerInnen“, welche den Kuchen herstellen! Diese „BäckerInnen“ werden aber seit Jahren um den Mehrwert des größer gewordenen Kuchens betrogen. Weil Sie und Ihre Klasse bei der Zu- und Verteilung die bereits vorher unterschiedlich großen Kuchenstücke nochmals „überarbeitet“ und in neue „Größen“ zugeschnitten haben! Davon profitiert haben nur einige Wenige, sowie Sie und all diejenigen, welche an der Zu- und Verteilung beteiligt waren und sind.
Von daher ist Ihre Aussage „der Kuchen sei größer geworden“ zwar faktisch richtig. Aber wie es sich mit dem Mehrwert an „Gebackenem“ verhält, dazu schweigen Sie und Ihre Klasse.

Und genau dies ist eigentlich die vorherrschende Ungerechtigkeit! Deshalb finden auch all Ihre, als auch die Lobeshymnen Ihrer Mitstreiter kein Gehör. Im Gegenteil, sie erzeugen den sich breit machenden und äußernden Unmut der Menschen in diesem Land. Nein, diese Menschen wollen weder ihr Land, noch den Kuchen schlecht reden! Sondern sie erleben Tag für Tag, wie ungerecht es bei der Zu- und Verteilung des gemeinsam Geschaffenen in diesem Lande zugeht!


Ihre Antwort mit Spannung erwartend, verbleibe ich mit freundlichem Gruß



Robert Kroiß

1 Kommentar:

  1. Schnelle Antwort von Herrn Spahn per Facebook:

    Lieber Herr Kroiß, auch wenn ich nicht von "Klassen" sprechen würde, danke ich Ihnen für Ihre klugen Gedanken und Ihr faires Feedback! Die Ausgangslage derzeit ist jedenfalls einzigartig und wir arbeiten daran, dass möglichst viele was davon haben. Viele Grüße, Jens Spahn

    Daraufhin habe ich ihm erneut über Facebook geantwortet:

    Sehr geehrter Herr Spahn,

    danke Ihnen für Ihre sehr schnelle Antwort. Mir fiel im Moment einfach nicht der richtige Begriff für das ein, was ich mit dem Wort „Klasse“, allerdings eben auch in Anführungszeichen geschrieben habe gemeint habe. Ich bin jedenfalls kein „Klassenkämpfer“. Vielleicht hätte ich Establishment schreiben sollen. Aber auch dieser Begriff kommt derzeit wohl nicht so gut an.
    Allerdings halte ich Ihre Antwort „und wir arbeiten daran, dass möglichst viele was davon haben.“ für nicht sehr befriedigend. Denn diese Aussage wird in dieser oder anderer Form ja ebenfalls schon seit Jahren/Jahrzehnten von PolitikerInnen jeglicher Couleur getroffen. Diese – auch Ihre – ständig versprochenen Bemühungen zeigen aber auch seit Jahren/Jahrzehnten dasselbe Ergebnis. Und zwar, dass der Kuchen zwar größer geworden ist, aber die Zu- und Verteilung in all den Jahren nicht besser, oder gar gerechter!
    Auch dies ist Mitverursachung einer Politk-, Demokratie und Wahlmüdigkeit des Volkes. Ein Glaubwürdigkeitsproblem Sie und all Ihre KollegInnen betreffend.

    Mit freundlichem Gruß

    Robert Kroiß

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