Donnerstag, 7. Mai 2026

Offener Brief an Jens Spahn



Sehr geehrter Herr Spahn,

jetzt erzählen Sie seit Jahren immer noch und immer wieder dieselbe Metapher von der Notwendigkeit, dass der „Kuchen“ größer werden müsse, damit die „Sättigung“ erfolgreich wäre?!

Ich darf Sie daran erinnern, dass wir vor ca. 7/8 Jahren bereits einen Schriftwechsel und eine Diskussion dahingehend hatten, auch bzgl. (sozialer) Gerechtigkeit, welche/n Sie dann – meine letzte Antwort unbeantwortet lassend – beendeten. (habe gerade gesehen, dass wir bereits schon im Jahre 2012 dahingehend einen Schriftwechsel hatten)

Gestern, am 6.5.2026 bei Maischberger erzählten Sie nun wieder die Story vom notwendig werdenden „größeren Kuchen“, damit die „Sättigung“ möglich wäre.

Seit Jahren in Ihrer Tätigkeit, dabei die verschiedensten Positionen und Ämter bekleidend, auch in Regierungsverantwortung widerlegen Sie selbst Ihre eigene „These“ des immer größer werdenden „Kuchens“ als DIE Lösung.

Wir hatten noch nie einen so großen Bundeshaushalt (Kuchen), wenn auch mit Schulden finanziert – zu welchem u. a. auch Sie mit beigetragen haben - wie heute. Aber die „Sättigung“, also die Lösung der Probleme war noch nie so schwierig, bzw. scheinbar inzwischen immer unlösbarer, der „Hunger“ (die Probleme) dabei immer größer werdend?
Sie/sie haben so viel Kapital zur Verfügung wie niemals zuvor, also den größten „Kuchen“ aller Zeiten!

Die Frage also, wie groß der „Kuchen“ zur „Sättigung“ ist – egal ob in der Wirtschaft oder im Bundeshaushalt – kann demnach weder die Ursache, noch die Lösung sein?

Die tatsächlich entscheidende Frag (Ursache und Wirkung) ist die Frage der „Ver-/Aufteilung“ des vorhandenen „Kuchens“, unabhängig seiner Größe und an welchem alle, in welcher Art und Weise auch immer „mitgebacken“ haben, unter all denen, die sich am „Tisch“(Land) befinden.

Und jetzt kommt das Entscheidende. Sie und ihresgleichen sind ja nicht primär die „Bäcker“. Sondern Sie und ihresgleichen sind diejenigen, die das „Kuchenmesser und den Tortenheber“ bedienen. Sie und ihresgleichen schneiden die Kuchen- und Tortenstücke zu und verteilen diese dann nach ihrem „Verständnis von Recht und (sozialer) Gerechtigkeit“. Deshalb spielt die Größe des vorhandenen „Kuchens“ gar nicht die entscheidende Rolle, sondern die Auf- und Verteilung des selbigen. Wenn Sie/sie die eine Hälfte des „Kuchens“ aber bereits schon an eine Handvoll „Hungriger“ – die am lautesten schreien und auch ein entsprechendes „Stimmvolumen (Macht)“ haben - verteilen, können die „Kuchenstücke“ für die andere Hälfte der „Hungrigen“ ja gezwungenermaßen nur viel kleiner ausfallen und ggf. dann eben für eine „Handvoll“ überhaupt nichts mehr zum auf- und verteilen da sein.

Ich garantiere Ihnen, selbst wenn der „Kuchen“ noch viel größer werden sollte – selbst mit weiteren Schulden -, wird er bei dieser Art des Verteilens nicht reichen, um all die „Hungrigen“ zu sättigen. Weil es eben von der Auf- und Verteilung, von der Größe der „Kuchenstücke“ und nicht von der Größe des gesamten „Kuchens“ abhängt.

In einer früheren Illner Sendung haben Sie sich schon mal dazu „verleiten“ lassen und die Frage der (sozialen) Gerechtigkeit selbst in den Raum gestellt.
Genau da müssten Sie ansetzen und weitermachen. Dann erübrigt sich Ihre Metapher von dem notwendig größer werdenden „Kuchen“ ganz von selbst.




Mit freundlichen Grüßen

Robert Kroiß