Weil Richard David Precht nach seinem
Auftritt bei Lanz https://www.youtube.com/watch?v=KheeZ67X2dA&t=559s
gerade so „gefeiert“ wird, wie ich am frühen Morgen schon bei
Facebook sehen konnte, habe ich mir seine Aussagen nochmals genauer
angehört und mich dann damit mit nachfolgenden eigenen Gedanken
auseinandergesetzt.
Im Großen und Ganzen d'accord mit dem
was er stets so sagt, wenn man es „oberflächlich“ betrachtet.
Nur pauschalisiert auch er. Der eigentliche Punkt ist der, dass es
seit Menschengedenken eine „religiöse“ Erwartungshaltung (einen
Vertrag) gibt. Nämlich, dass den Menschen „das Heil“ - welches
sie deshalb suchen, weil sie es nicht in sich selbst finden -
versprochen wird, welches ihnen nur dann zu Teil wird, wenn sie....
ja wenn sie sich danach richten, was man ihnen verspricht, verkündet,
prophezeit und dann vorschreibt. Wenn sie sich also in die
Abhängigkeit derer begeben, die ihnen „das Heil“
versprechen.
Auch sein Beispiel mit „dem Vertrag“ stimmt so,
wie er es darstellt nicht. Denn wer einen Vertrag eingeht, hat eben
auch die Pflicht dafür zu „bezahlen“. Es wird „dem Kunden“ -
auch im religiösen Verständnis – IMMER etwas abverlangt. Und mit
dem Vertrag wird ja vereinbart, dass man eine entsprechende Leistung
für die eigene Gegenleistung (in welcher Form auch immer)
bekommt.
Ein „Verantwortungsgefühl“ nur für sich selbst (und
damit nicht für das Leben als Ganzes) gibt es nur bei absoluten
Egomanen. Wer ein „Verantwortungsgefühl“ für das Leben an sich
hat, dessen Teil er ja ist, hat per se ein „Verantwortungsgefühl“
auch oder sogar primär für sich selbst und, bzw. aber damit dann
auch für andere, wenn er wahre Verantwortung für sich
übernimmt.
Was ich dann in seiner Argumentation überhaupt nicht
verstehe ist, dass er ja primär und eigentlich Eigenverantwortung
des Einzelnen erwartet. Dann aber wieder Vorschläge wie z. B. ein
verpflichtendes soziales Jahr, oder ein Grundeinkommen präferiert?!
Wenn man dann noch glaubt und öffentlich „behauptet“, dass
man jedem Kind erklärt, dass es Rechte und Pflichten gibt, dann wäre
die Konsequenz doch, dass jeder Mensch von Kindesbeinen an wüsste,
was Verantwortung heißt und bedeutet?! Wenn er selbst dann im ÖRF
erklären muss, was Verantwortung, Rechte und Pflichten bedeutet,
dann kann es wohl nicht so sein, dass man dies jedem Kind lehrte und
erklärt.
Ruft man sich dann das Urteil des BverfG vom 26.2.2020
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/bvg20-012.html
in Erinnerung, dann wird deutlich, dass es sich bei all dem und auch
bei Precht um eine „Vorstellung“ handelt, wie der Mensch an sich
sein könnte und sollte.
Zitat aus dem Urteil: [[ Von der
Vorstellung ausgehend, dass der Mensch in Freiheit sich selbst
bestimmt und entfaltet, umfasst die Garantie der Menschenwürde
insbesondere die Wahrung personaler Individualität, Identität und
Integrität. Die unverlierbare Würde des Menschen als Person besteht
hiernach darin, dass er stets als selbstverantwortliche
Persönlichkeit anerkannt bleibt. ]]
Von daher spricht auch
Precht nur von einer Vorstellung und über eine Minderheit. Denn wen
man als Kind (Eigen)Verantwortung gelehrt hat, wer als Mensch in
seinem alltäglichen Dasein die (Eigen)Verantwortung im Bezug auf das
Leben an sich (also die absolute „Gemeinschaft“) gelernt hat, dem
muss sie selbst Precht nicht mehr lehren und erklären.
